"Gregorianische Harmonien" in einer flüsternden Kirchenakustik
Der Kammerchor Ettlingen begeisterte 120 Zuhörer in der Herz-Jesu-Kirche/Ein ausdrucksstarkes Orgelspiel von Bruno Hamm

Es war der Vorabend zum Totensonntag. Was lag da näher, als ein geistlich-besinnliches Konzert zu veranstalten? Das hatte sich auch der Kammerchor Ettlingen gedacht. Mit "Lux aeterna" präsentierten die 21 Sänger um Chorleiter Ralf Keser dem zahlreichen Publikum ein abwechslungsreiches und sehr gefühlvolles Programm. Die religiösen Inhalte und teils gregorianisch anmutenden Harmonien fanden ihren festen Platz in der flüsternden Akustik der Ettlinger Herz-Jesu-Kirche. Dazu noch die ausdrucksstarke neue Orgel, gespielt von Bruno Hamm - und die rund 120 Besucher zeigten sich tief beeindruckt.
Schon die Eröffnung trug dazu bei: Organist Hamm interpretierte Johann Sebastian Bachs "Präludium und Fuge in h-moll" sehr lebhaft. Sich ständig steigernd flohen die Tonreihen in die Höhe, immer turbulenter wirbelten die Klänge durch das Kirchenschiff. Ein kurzer Einschnitt markierte den Übergang zur Fuge: Der Nachhall verdeutlichte während dessen die ungeheuere Kraft und Macht des Orgelspiels. Der Auftakt der Fuge dann vollzog sich ruhiger, kristallene Tonperlen dynamisierten den Vortrag. Ein Triller beschloss Bachs Werk.
Gänzlich ohne Schwankungen dann der erste Auftritt des Kammerchors: Unglaublich harmonisch und anrührend wuchs das Anfangskyrie der Komposition "Missa Brevis" vom heiligen Summen über gehauchte Klangwellen hin zu fordernden und fast sprechgesanghaften Stimmen. Gerade diese sachte Intonation und der Gesamtklang des Werkes von Knut Nystedt sei die besondere Herausforderung, sagte Dirigent Keser.
Zur Auflockerung folgte dann wieder eine Instrumentaleinlage: Max Regers "Wachet auf! Ruft uns die Stimme". Die Darbietung auf der Orgel glich wirklich einer "Fantasie über den Choral": Klare Bilder strömten vor die Augen der Zuhörer: Brütende Anfangsakkorde und zwei harte Blitze malten das Szenario eines Friedhofes in Todesruhe in den großen Kirchenraum.
Nach einiger Zeit dann schwach das Choralthema wie die Stimme eines Engels. Das steigende Tempo drückte das "eilende Aufstehen" der Toten aus. Die Fantasie klang schließlich in großen Akkorden aus: "Gleich einem Triumphmarsch des Lebens über den Tod".
Zuletzt stand das "Lux aeterna" auf dem Programm. Jetzt ergossen Chor und Orgel gemeinsam ihre Melodien über die Zuhörer. Dazu standen die Sänger mit auf der Empore. Wieder begann es in einer dunkleren Stimmung, gewann aber zunehmend an Reinheit. Mal sang der Chor a capella, dann in Begleitung der Orgel oder aber Hamm spielte alleine. Einstimmigkeit traf auf Dissonanz, laute und aggressive Töne auf ruhigere Ewigkeitsharmonien. Dabei glaubte man immer, Licht durch ein frisches Laubdach flimmern zu sehen.
Mit diesem oszillierenden, auch bei geringerem Tempo als Melodiebogen zu erkennenden Fluss schloss das Konzert schließlich. Ingesamt war es eine sehr gelungene Einstimmung auf den Totensonntag.

[BNN 27.11.2001/rec]

Letzte Änderung: ab, 31.03.2007